Kontoführungsgebühren im Vergleich: Welche deutsche Bank bietet das beste Depot?
Depotgebühren, Ordergebühren & Sparplan-Kosten 2026: ING, Comdirect, DKB, Consorsbank und Neobroker im direkten Vergleich.
Kontoführungsgebühren im Vergleich: Welche deutsche Bank bietet das beste Depot?
Die Wahl des richtigen Depots gehört zu den folgenreichsten finanziellen Entscheidungen für jeden, der in Deutschland systematisch Vermögen aufbauen möchte – denn selbst kleine Unterschiede bei Depotführungsgebühren, Ordergebühren und Sparplan-Kosten summieren sich über Jahrzehnte zu erheblichen Beträgen. Während klassische Direktbanken wie ING, Comdirect, DKB und Consorsbank seit Jahren um Privatkunden konkurrieren, haben Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital und Flatex das Preisgefüge des Marktes grundlegend verändert. Dieser Vergleich analysiert die tatsächlichen Kosten aller relevanten Anbieter im Detail und zeigt, welches Depot für welchen Anlegertyp die beste Wahl ist.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
| Anbieter | Depotführung | Ordergebühr | ETF-Sparplan |
|---|---|---|---|
| ING | Kostenlos | 4,90 € + 0,25 % des Ordervolumens | Teils kostenlos (Aktionsangebot) |
| Comdirect | 1,95 €/Monat (entfällt bei 2 Trades/Quartal oder Girokonto-Kopplung) | Mindestens 9,90 € | 1,50 % der Sparrate |
| Consorsbank | Kostenlos | Mindestens 9,95 € | 1,50 % der Sparrate (viele ETFs kostenlos) |
| DKB | Kostenlos | Mindestens 10 € | Fixgebühr unabhängig von Sparratenhöhe |
| Flatex | Kostenlos (außer Xetra-Gold, ADRs, GDRs) | Fix 5,90 € | Kostenlos bei 5.000+ Fonds und ETFs |
| Trade Republic | Kostenlos | 1 € (Bestpreis) bzw. 2 € (freie Börsenwahl) | Kostenlos |
| Scalable Capital | Kostenlos | 0,99 € (FREE) bzw. 0 € ab 250 € (PRIME+) | Kostenlos |
| Justtrade / Finanzen.net Zero | Kostenlos | 0 € | Kostenlos (eingeschränktes Angebot) |
Klassische Direktbanken im Detailvergleich
ING: Günstigster klassischer Online-Broker
Die ING zählt seit Jahren zu den preislich attraktivsten klassischen Direktbanken in Deutschland. Die Ordergebühr setzt sich aus einer Grundgebühr von 4,90 € zuzüglich 0,25 % des Ordervolumens zusammen. Im direkten Vergleich mit der Consorsbank, die eine Mindestgebühr von 9,95 € pro Order verlangt, ergibt sich bei einer Order von 1.000 € ein Kostenvorteil von rund 2,55 € zugunsten der ING. Die Depotführung selbst ist bei der ING vollständig kostenlos. Zusätzlich punktet die ING regelmäßig mit Aktionsangeboten für kostenlose ETF-Sparpläne sowie einer breiten Auswahl an Aktien, ETFs und Fonds.
Comdirect: Traditionsreich, aber mit kompliziertem Gebührenmodell
Die Comdirect gehört zu den Online-Brokern der ersten Stunde in Deutschland, kann im aktuellen Preisvergleich jedoch nicht mehr mit den günstigsten Anbietern mithalten. Für die Depotführung wird ein „Depotverwahrungs- und Verwaltungsentgelt" von 1,95 € pro Monat berechnet. Diese Gebühr entfällt jedoch unter zwei Bedingungen:
- Der Kunde tätigt mindestens zwei Trades pro Quartal, oder
- Das Depot ist mit einem Girokonto derselben Kundennummer verknüpft.
Bei den Ordergebühren verlangt die Comdirect eine Mindestgebühr von 9,90 € – ein Wert, der im Marktvergleich zu den höheren zählt. Auch bei ETF-Sparplänen berechnet die Comdirect mit 1,50 % der Sparrate einen vergleichsweise hohen Satz.
Consorsbank: Faire Konditionen mit hoher Mindestgebühr
Die Consorsbank bietet eine kostenlose Depotführung und gilt als eine der bekanntesten Depotbanken Deutschlands mit einer überzeugenden Handelsplattform. Bei den Ordergebühren fällt jedoch eine Mindestgebühr von 9,95 € an – ein Nachteil gegenüber der ING bei kleineren bis mittleren Ordervolumina. Positiv hervorzuheben ist das Angebot an kostenlosen ETFs für den Sparplan, wodurch sich die Consorsbank besonders für langfristig orientierte Sparplan-Anleger eignet.
DKB: Kostenlose Depotführung, aber Girokonto-Bedingungen
Die DKB (Deutsche Kreditbank) bietet mit dem DKB-Broker ein vielseitiges Depot ohne Depotführungsgebühr an. Die Mindestgebühr pro Order liegt allerdings bei 10 € und zählt damit zu den höheren im Vergleich. Wichtig zu wissen: Das zugehörige DKB-Girokonto ist nur kostenlos, wenn Kunden monatlich mindestens 700 € Geldeingang nachweisen oder unter 28 Jahre alt sind. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, fällt eine Kontoführungsgebühr von 4,50 € pro Monat an. Für ETF-Sparpläne berechnet die DKB eine Fixgebühr unabhängig von der Höhe der Sparrate, was insbesondere bei kleineren Sparraten nachteilig sein kann.
Flatex: Der Sonderfall mit fixer Ordergebühr
Flatex nimmt mit einer fixen Ordergebühr von 5,90 € – unabhängig von der Ordergröße – eine Sonderstellung unter den klassischen Online-Brokern ein. Die Depotführung ist kostenfrei, mit Ausnahme einer Verwahrgebühr für Xetra-Gold, ADRs und GDRs. Besonders attraktiv: Bei über 5.000 Fonds und ETFs ist die Sparplanausführung vollständig kostenfrei. Für Neukunden bietet Flatex zudem regelmäßig Aktionen mit zeitlich befristet reduzierten Ordergebühren an.
Neobroker als kostengünstige Alternative
Wer den reinen Preisvergleich in den Vordergrund stellt, landet fast unweigerlich bei den sogenannten Neobrokern, die mit deutlich schlankeren Gebührenstrukturen auf den Markt gekommen sind – allerdings häufig mit einem eingeschränkteren Angebot an Handelsplätzen und Wertpapierarten.
Trade Republic
Trade Republic verzichtet vollständig auf Depotführungs- und Ordergebühren im klassischen Sinn. Stattdessen fällt lediglich eine Fremdkostenpauschale von 1 € pro Order an. Seit Juli 2026 führt der Broker Orders automatisch zum besten verfügbaren Kurs unter den relevanten Börsen aus; wer den Handelsplatz aus rund 30 Börsen selbst auswählen möchte, zahlt 2 € pro Order. ETF-Sparpläne sind durchgehend kostenlos ausführbar. Ergänzend bietet Trade Republic ein verzinstes Girokonto mit bedingungslos kostenloser Kontoführung – ein klarer Vorteil gegenüber klassischen Banken, die kostenlose Kontoführung meist an einen Mindestgeldeingang koppeln.
Scalable Capital
Scalable Capital bietet zwei Tarifmodelle: Im FREE-Broker fällt eine Ordergebühr von 0,99 € pro Trade an, im PRIME+-Tarif (4,99 € pro Monat) sind Orders ab einem Volumen von 250 € vollständig gebührenfrei. Die Depotführung ist in beiden Modellen kostenlos, ebenso die Ausführung von ETF-Sparplänen.
Justtrade und Finanzen.net Zero
Diese beiden Neobroker verlangen für Wertpapiergeschäfte 0 € Ordergebühr und positionieren sich damit als die günstigsten Optionen im gesamten Marktvergleich. Der Preis dafür: Die Auswahl an Handelsplätzen ist meist auf ein oder zwei Börsen begrenzt, und das Spektrum handelbarer Wertpapiere ist enger als bei etablierten Direktbanken oder Trade Republic.
Girokonto und Depot: Die Kopplung als Kostenfaktor
Bei vielen klassischen Banken hängt die Kostenfreiheit des zugehörigen Girokontos von bestimmten Bedingungen ab, die indirekt auch die Gesamtkosten des Depots beeinflussen können:
- Comdirect: Kostenlose Kontoführung bei mindestens 700 € Geldeingang monatlich oder alternativ bei drei Kartenzahlungen per Google Pay/Apple Pay beziehungsweise einem Wertpapiergeschäft im Monat.
- ING: Kostenlose Kontoführung ab 1.000 € monatlichem Geldeingang.
- DKB: Kostenlose Kontoführung ab 700 € Geldeingang oder für Kunden unter 28 Jahren, ansonsten 4,50–4,90 € monatliche Gebühr.
- Consorsbank: Kostenlose Kontoführung ab 700 € Geldeingang monatlich oder für alle unter 31 Jahren.
- Trade Republic: Bedingungslos kostenlose Kontoführung, unabhängig von Geldeingang oder Alter, zusätzlich mit Verzinsung des Guthabens.
- N26: Bedingungslos kostenlose Kontoführung ohne jegliche Mindestanforderungen.
Für Anleger, die Wert auf maximale Flexibilität ohne Mindestgeldeingang legen, stellen Trade Republic und N26 damit die unkompliziertesten Optionen dar.
Versteckte Kostenfaktoren, die oft übersehen werden
Neben den offensichtlichen Depot- und Ordergebühren lohnt sich ein Blick auf weitere Kostenpunkte, die den tatsächlichen Gesamtaufwand erheblich beeinflussen können:
- Verwahrentgelt für Sonderwertpapiere: Bei einigen Anbietern (z. B. Flatex) fällt für Xetra-Gold, ADRs oder GDRs eine separate Verwahrgebühr an, auch wenn die reguläre Depotführung kostenlos ist.
- Dispozinsen des Girokontos: Diese variieren erheblich zwischen den Anbietern – von rund 7,91 % (DKB, Aktivkunden) bis über 9,65 % (Consorsbank) – und sollten bei der Gesamtbetrachtung nicht vernachlässigt werden.
- Fremdwährungsentgelte: Bei Kartenzahlungen oder Bargeldabhebungen außerhalb der Eurozone berechnen manche Banken (z. B. Consorsbank) einen Aufschlag von rund 2,10 %.
- Papierform-Gebühren: Schriftliche Auftragsbestätigungen oder Depotauszüge auf Papier sind bei nahezu allen Anbietern kostenpflichtig, häufig im Bereich von 25 €.
- Mindestordervolumen für Sonderkonditionen: Bei mehreren Anbietern (z. B. Scalable Capital PRIME+, Bitpanda PRIME-ETFs) gelten Gebührenbefreiungen erst ab einem Mindestvolumen von häufig 250 €.
Depotwechsel: So funktioniert der Anbieterwechsel
Wer bereits ein bestehendes Depot bei einer anderen Bank hat, kann in der Regel einen Depotübertrag beauftragen, ohne bestehende Positionen verkaufen zu müssen – ein wichtiger Vorteil, da ein Verkauf und Rückkauf innerhalb der Haltefrist bei Wertpapieren steuerliche Nachteile mit sich bringen könnte. Der Ablauf gestaltet sich bei den meisten Direktbanken wie folgt:
- Formular ausfüllen: Bei klassischen Anbietern erfolgt die Beauftragung meist über ein Formular, das unterschrieben und postalisch versendet werden muss.
- Automatisierter Wechselservice: Bei Depots von bekannten Partnerbanken (z. B. Comdirect, Consorsbank, Deutsche Bank, ING, Postbank, S-Broker, Volksbanken) bieten viele Anbieter einen digitalen Wechselservice an, bei dem lediglich Steuer-Identifikationsnummer, Depotnummer und Zugangsdaten der alten Bank angegeben werden müssen.
- Bearbeitungszeit: Der vollständige Übertrag kann je nach beteiligten Instituten mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
Für wen eignet sich welches Depot?
Klassische Direktbanken (ING, Consorsbank, DKB, Comdirect) eignen sich für Sie, wenn Sie:
- Wert auf ein breites Angebot an Handelsplätzen und Wertpapierarten legen
- persönlichen Kundenservice per Telefon oder Filiale schätzen
- ein Depot in Kombination mit einem etablierten Girokonto führen möchten
- gelegentlich handeln und die Mindestgebühren pro Order daher weniger ins Gewicht fallen
Neobroker (Trade Republic, Scalable Capital, Justtrade) eignen sich für Sie, wenn Sie:
- überwiegend über ETF- oder Aktiensparpläne langfristig investieren
- kleinere bis mittlere Beträge regelmäßig anlegen und jede Gebühr prozentual stark ins Gewicht fällt
- eine mobile, unkomplizierte App-Erfahrung ohne Mindestgeldeingang bevorzugen
- auf ein etwas eingeschränkteres Angebot an Handelsplätzen verzichten können
Fazit
- Unter den klassischen Direktbanken bietet die ING mit 4,90 € plus 0,25 % Ordergebühr aktuell die günstigste Kostenstruktur für gelegentliche Trader.
- Die Comdirect verlangt sowohl eine potenzielle Depotführungsgebühr (1,95 €/Monat) als auch die höchste Mindestordergebühr (9,90 €) im Vergleich der etablierten Banken.
- Consorsbank und DKB bieten kostenlose Depotführung, jedoch mit Mindestordergebühren von 9,95 € beziehungsweise 10 € pro Trade.
- Flatex punktet mit einer fixen Ordergebühr von 5,90 € unabhängig von der Ordergröße sowie kostenlosen Sparplänen auf über 5.000 Fonds und ETFs.
- Neobroker wie Trade Republic (1–2 € pro Order) und Scalable Capital (0,99 € bzw. 0 € ab 250 €) unterbieten die klassischen Direktbanken bei kleineren und mittleren Ordervolumina deutlich.
- Die Kostenfreiheit des begleitenden Girokontos ist bei den meisten klassischen Banken an einen Mindestgeldeingang von 700–1.000 € gekoppelt; Trade Republic und N26 bieten hier bedingungslos kostenlose Alternativen.
- Neben den offensichtlichen Gebühren sollten Anleger auch Dispozinsen, Fremdwährungsentgelte und Verwahrgebühren für Sonderwertpapiere in ihre Gesamtkostenrechnung einbeziehen.
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